European Cup Winners Cup B 2006

Nach langem Warten darauf, wo und wann und ob überhaupt der Europacup stattfinden wird, standen wir am 13. August endlich am Flughafen, um uns ins unbekannte Bulgarien zu begeben. Elf Frauen von uns konnten sich dafür frei nehmen und freuten sich mit Werner, Serge und Kevin auf eine interessante Woche in Blagoevgrad. In Zürich regnete es bei ungefähr 15 Grad, und somit glaubte niemand wirklich an die angeblichen Sommertemperaturen unseres Zielortes. Kaum angekommen, schlug uns jedoch die Hitze ins Gesicht und eine Kleiderschicht nach der anderen wurde ausgezogen. In einem Car wurden wir über holprige Strassen (sprich: Trampelpfade) zwei Stunden durch das Land getragen und dann endlich an unserem Aufenthaltsort abgesetzt. Nach dem Auspacken, Einräumen, Duschen und Umziehen führte uns unsere Begleiterin Gerry schnell (40 Minuten) zum Ballpark, wo uns ein nicht ganz ESF-konformes, aber dennoch gut bespielbares Feld erwartete. Verwirrt, aber glücklich, dass es endlich geschafft war, spazierten wir zurück in die Stadt, um uns auf bulgarische Art und Weise kulinarisch zu verwöhnen. Das heisst: Getränk 0.90 lv, Vorspeise 1.20 lv, Hauptspeise 4.10 lv, Dessert 1.60 lv, Kaffee 1.00 lv. Total 8.80 lv, ungefähr CHF 7.- !!!

Man kann sich vorstellen wie sehr zugelangt wurde. Den ganzen Tag hatten wir nichts Richtiges gegessen, und am Abend schlugen wir uns dann gnadenlos den Magen voll. Es gab zwar vermutlich kein Essen, wo auf Anhieb alles klappte, doch was dann auf dem Teller lag, war so gut und sooo günstig, dass man den Rest vergessen musste 🙂

Montagmorgen stand dann das erste Spiel gegen die Mannheim Tornados an. Wir hatten schon einiges von ihnen gehört, und es gab auch einige, die schon direkt gegen sie gespielt hatten. Der Puls schlug also schon relativ hoch. Wir waren nervös, unkonzentriert und aufgeregt und unser erstes Pre-game wurde wohl zum schlechtesten überhaupt… Das Spiel selber war dann zwar etwas besser, trotzdem verloren wir 11-0. In der Schweiz an eher langsame Pitcher gewohnt, flogen uns plötzlich die schnellsten Bälle von Sonja Garnett entgegen, was dazu führte, dass eine nach der anderen Strike-out ging. Im letzten Inning erst konnten einige von uns einen Ballkontakt erzielen. Auf Base kam jedoch dann nur Sandrine Montandon durch einen schmerzhaften Hit by Pitch… Die Defensive um Opening Day Starter Leandra Simitovic zeigte sich etwas besser, doch reichte es nicht aus, die Tornados genügend zu blockieren. Erleichtert, das erste Spiel üerstanden zu haben, standen wir anschliessend (in einer wunderschönen Zweierreihe) an der Eröffnungszeremonie und begaben uns dann auf den Heimweg.

Am Dienstag standen uns die Bulgarinnen – übrigens mit der Aufstellung der Nationalmannschaft – und die Frauen von BAT Paris gegenüber. Beide Spiele waren äusserst spannend. Gegen die Bulgarinnen erzielten wir im dritten Inning unseren ersten Run. Flavia Von Meiss brachte mit einem RBI-single Simone Zurschmitten nach Hause. Wir hielten das ganze Spiel über den Score von 1-0 und gaben alles, um unseren ersten Sieg zu erreichen. Stellvertretend dafür Ziegylou Wehrli, die mit ihrem spektakulären Catch für das Highlight des Tages sorgte, oder Katrin Dresbach, die bei jedem gegnerischen Buntversuch zur Stelle war. Defensiv spielten wir schon einiges besser als gegen die Deutschen und blockten die paar Spielerinnen, die nicht durch Karen Heimgartner Strikeout gingen, erfolgreich ab. Endlich hatten auch wir ein Spiel gewonnen. Der Nachmittag verlief nicht viel anders. Von Anfang an waren beide Teams voll konzentriert und es war noch knapper als gegen die Bulgarinnen. Doch durch einen wunderschönen Homerun in the park von Bobbie-Jean Taylor konnten wir einen 4-2 Vorsprung herausholen, verloren diesen jedoch sogleich wieder durch einen Homerun (auch in the park) der Gegenseite. Dank einem sehr schönen Hit ins Outfield gingen die Pariserinnen trotz dreimaligem Rückstand letztlich mit 6-5 als Sieger vom Platz.

Die erste Runde war vorbei und mittwochs früh begegneten wir wieder den Deutschen. Ein sehr trauriges Spiel. Es dauerte nur drei Innings und am Schluss stand es 27-0… Im ersten Inning erlaubten wir einen Run, doch dann kam das schreckliche zweite Inning! Viele Fehler erleichterten ihnen Punkte zu erzielen und ohne nachzugeben, schlugen und rannten sie auch bei riesigem Vorsprung und drückten uns mehr und mehr nieder. 45 Minuten dauerte dieses Unglück, um dann endlich durch einen schönen Catch im Outfield von Sandrine beendet zu werden. Wenn das kein Horrorspiel war…Wir rissen uns jedoch zusammen, um nicht noch so ein Inning zu erleben und liessen im dritten dann wiederum nur vier Runs zu.
Angespornt durch diese Niederlage, den Tag doch noch zu retten, traten wir den Pariserinnen wieder entgegen. Genau gleich wie im ersten Spiel bewegte sich der Punktestand kaum. Unser Batting gegen die starke Pitcherin von Paris, Laurence Cornaille, wurde etwas besser und das Fielding war auch ziemlich konstant. Die zwei, drei Fehler, die passierten, führten jedoch stets unweigerlich zu einem Run der Gegner. Wir rissen uns zusammen und begaben uns mit einem Score von 4-4 das letzte Mal an den Schlag. Ein schöner Hit von Corinne Wengi brachte sie auf erste Base, Sandrine wurde als Pinch-runner eingesetzt und Karen war als nächste at bat. Bei einem Count von zwei Strikes und zwei Balls schlug sie wunderschön ins Outfield und Sandrine stürmte nach Hause, um uns den Winning run zu bringen… Paris und Zürich waren jetzt quit 🙂

Abends wurden wir von Petia (der bulgarischen Catcherin) in ein typisch bulgarisches Restaurant geführt, einige versuchten sich sogar im Folklore-Tanzen zu schmachtender Musik. Danach ging es zum ersten Mal in einen Club, "Underground" sein Name. Der schrill scheppernde Lautsprecher bescherte einigen von uns zwölfstündiges Ohrenpfeifen, musikmässig wurden wir um Jaaahre zurückversetzt… (um nur ein Beispiel zu nennen: "What is love" von Haddaway). Spass hat es den meisten trotzdem gemacht, und der Heimweg dauerte schlussendlich 1.5 Stunden (normalerweise 10 Minuten).

Donnerstag war unser erster freier Tag. Einige verbrachten ihn mit Ausschlafen und anschliessendem Kampf-Shopping, andere wiederum besuchten das berühmte Rila-Kloster. Wir trafen uns abends, um wieder gemeinsam essen zu gehen. Um am nächsten, alles entscheidenden Tag fit zu sein, gingen wir alle brav früh zu Bett.

Am Freitagmorgen war das letzte Spiel der Vorrunde gegen die Bulgarinnen. Wir führten bereits im ersten Inning mit drei zu null. Leider waren wir uns der Sache wohl zu sicher. Von Inning zu Inning machten wir immer mehr defensive Errors, so dass die Bulgarinnen Run um Run aufholen konnten. Schliesslich die letzte Szene: Bottom of the 7th, die Bulgarinnen in der Offense, Spielstand 3-3, zwei Outs, Bases Loaded. Ein schöner Hit ins Outfield. Unmöglich, ihn zu catchen, Third-Base-Runnerin rennt nach Hause, das Spiel ist verloren. Die Enttäuschung war riesig, hatten wir doch geführt und gegen die Bulgarinnen bereits einmal gewonnen. Nichts desto trotz mussten wir nach vorne schauen. Uns blieben zwanzig Minuten, um zu essen, uns zu erhohlen usw. Danach ging es mit dem ersten Play-Off-Spiel weiter, unser Gegner war BAT Paris.

Gleich zu Beginn gingen die Französinnen mit 1-0 in Führung. Unsere Defense hielt in der Folge aber dicht und im Outfield sicherten Andrea Wirth, Alexia Zingg und Flavia auch bei 40 Grad Hitze jeden Spielzug ab. Im 4. Inning gelang dann Bobbie der verdiente Ausgleich. Das Spiel war nervenzerreissend, beide Teams wussten, dass der Verlierer aus dieser Partie aus dem Europacup ausscheiden wird. Im 6. Inning scorten die Bats dank einem Linedrive exakt auf die Baseline und führten nun mit einem Run. Wir blieben ohne Runs, verhinderten im siebten Inning mit drei schnellen Outs aber erneute Runs auf Seiten der Bats. Dann Bottom of the 7th, wir in der Offense. Erstes At Bat, ein Hit, Out auf First Base. Zweites At Bat, wiederum ein Hit, Out auf First Base. Drittes At Bat, zwei Strikes, der Dritte Swing erneut daneben, die Catcherin lässt den Ball durch, die Batterin rennt (nach einer Brüll-Attacke von Werner) auf First Base, wird vom Wurf der Catcherin mit dem Softball getroffen und ist dank dieser Aktion safe auf erster Base. Viertes At Bat, ein schöner Hit, der leider nur ins Infield reichte, Out auf First Base. Europacup vorbei. Wir waren ziemlich am Boden zerstört, einige mehr, andere weniger. Nach einer langen Besprechung im Team mit einer Menge Lob, wenig Kritik und vielen Tränen schauten wir uns noch das Spiel zwischen den Tornados und den Bulgarinnen an, danach ging es zurück ins Hotel.

Wir verbrachten den Abend mit dem bulgarischen Team im selben typisch bulgarischen Restaurant wie am Mittwoch. Anschliessend gingen einige von uns ins Hotel, andere etwas trinken. Samstags hatten wir – unfreiwilligerweise – wieder einen freien Tag, den wir mit Baden im gerade neu eröffneten Freibad (unweit des Softball-Fields) verbrachten. Anschliessend begaben wir uns zum letzten Mal zum Feld, um das Finale zu schauen. Die Tornados gewannen verdienterweise mit 4-1 gegen die Bats aus Paris. Danach fand die Closing Ceremony statt. Wir erhielten für unseren vierten Platz einen Pokal. Karen bekam den Best-Pitcher-Award. Nach der Zeremonie ging es zurück ins Hotel, anschliessend zu einem letzten Essen gemeinsam im Team in Blagoevgrad. Wir splitteten uns danach in zwei Gruppen, die eine ging ins Hotel zurück, die andere erneut ins Freibad, wo eine Band auftrat und anschliessend ein DJ auflegte. Der Abend endete erneut im "Underground", für die einen gut, für andere etwas "schlechter". Wie dem auch sei, schlussendlich fanden wir uns alle gesund und putzmunter 😉 im Hotel wieder. Zwei Stunden später – um 6 Uhr früh – holte uns ein kleiner Bus ab. Die zweistündige Fahrt nach Sofia war grausig: der Chauffeur nickte wieder und wieder am Steuer ein, so dass der Bus in manchen Situationen mehr auf der Gegenfahrbahn fuhr als auf der eigenen. Dank der guten Reaktion einiger Mädels aus unserem Team (Fahrer wecken, das Steuer halten etc.) wurde uns ein Unfall erspart. Die ganze Angelegenheit war ziemlich kriminell. Der Flug verlief – abgesehen von ein paar Turbulenzen – ruhig. In Zürich wurden wir von all unseren Lieben abgeholt.

Dieser Europacup war lehrreich für unser softballerisches Können. Die meisten von uns hatten bisher noch nie auf einem so hohen Niveau gespielt. In dieser Woche lernten wir unglaublich viel, von Basics bis zu kleinen Kniffs auf dem Feld. Der Zusammenhalt im Team ist nun noch stärker und wir konnten uns noch besser kennenlernen. Diese Woche war einfach nur toll! Vielen Dank an alle, insbesondere an Werner und Serge, und an Corinne und Sandrine führ die ganze Organisation!!!

by Leandra Simitovic & Simone Zurschmitten

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